Erkrankungen der peripheren Nerven
Behandlungen des Karpaltunnel-, Kubitaltunnel- und weiterer Nervenkompressionssyndrome
Überblick
Erkrankungen der peripheren Nerven betreffen die Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark.
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Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch die Einengung des Nervus medianus, der durch einen engen Kanal (den Karpaltunnel) auf der Handflächenseite des Handgelenks verläuft. Dieser Nerv versorgt das Gefühl von Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie der Hälfte des Ringfingers und steuert einige Muskeln, die den Daumen bewegen. Wenn der Nerv in diesem Tunnel unter Druck gerät, sind die häufigsten Beschwerden ein besonders nachts zunehmendes Taubheitsgefühl der Hand, Kribbeln und mit der Zeit ein Kraft- und Volumenverlust der Muskeln rund um den Daumen. Wiederholte Hand- und Handgelenksbewegungen, eine Schwangerschaft, Diabetes, Schilddrüsenprobleme und rheumatische Erkrankungen können das Risiko erhöhen. Wird es früh erkannt, lässt sich mit nicht operativen Verfahren wie Schiene, Übungen und Medikamenten Linderung erreichen; in fortgeschrittenen Fällen mit ausgeprägter und dauerhafter Nervenschädigung wird eine Operation erwogen, die das einengende Band löst.
Kubitaltunnelsyndrom (Nerveneinengung am Ellenbogen)
Das Kubitaltunnelsyndrom entsteht durch die Einengung des Nervus ulnaris, der an der Innenseite des Ellenbogens verläuft, in diesem Bereich. Dieser Nerv ist für das elektrisierende Gefühl verantwortlich, das wir spüren, wenn wir uns den Ellenbogen anstoßen. Bei einer Einengung entstehen ein Taubheitsgefühl und Kribbeln im Ringfinger (4. Finger) und Kleinfinger (5. Finger) sowie an der Innenkante der Hand. Die Einengung nimmt meist zu, wenn der Ellenbogen längere Zeit gebeugt bleibt (im Schlaf, beim Telefonieren oder beim Aufstützen des Ellenbogens). Es ist nach dem Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk die zweithäufigste Nerveneinengung. Unbehandelt kann sich ein Schwund und Kraftverlust der Handmuskeln entwickeln; deshalb ist eine frühe Erkennung wichtig.
Tarsaltunnelsyndrom (Kompression des Nervus tibialis posterior)
Das Tarsaltunnelsyndrom (TTS) ist eine Engpassneuropathie, die durch eine Kompression des Nervus tibialis posterior und/oder seiner Äste (Nervus plantaris medialis, Nervus plantaris lateralis, Rami calcanei) unter dem Retinaculum musculorum flexorum (Ligamentum laciniatum) an der Innenseite des Sprunggelenks (hinter dem Innenknöchel) gekennzeichnet ist. Der Tarsaltunnel ist ein fibro-ossärer Tunnel hinter dem Innenknöchel, der vom Retinaculum musculorum flexorum gebildet wird; durch ihn verlaufen der Nervus tibialis posterior, die Sehnen des Musculus flexor digitorum longus und des Musculus flexor hallucis longus sowie die Arteria tibialis posterior. Das Tarsaltunnelsyndrom ist seltener als das Karpal- und das Kubitaltunnelsyndrom (Prävalenz ~0,5–1 %) und häufig eine übersehene Ursache chronischer Fußschmerzen. Es tritt bei Frauen 2- bis 3-mal häufiger auf und manifestiert sich meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Die Ätiologie ist multifaktoriell: Die häufigsten Ursachen sind ein Trauma (Sprunggelenkfraktur, Verstauchung), Raumforderungen wie Ganglienzysten oder Lipome, Varizen, eine Tenosynovitis, eine tarsale Koalition (Knochenverschmelzung), ein Pes planus (Plattfuß) und eine übermäßige Pronation. Auch systemische Erkrankungen (Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, Hypothyreose) und eine Schwangerschaft stellen Risikofaktoren dar. Der Nervus tibialis posterior hat drei Äste: den Nervus plantaris medialis (versorgt die Fußsohle im Bereich der Großzehe sowie der 2. und 3. Zehe), den Nervus plantaris lateralis (versorgt die Fußsohle im Bereich der 4. und 5. Zehe) und die Rami calcanei (versorgen die Haut der Ferse). Die Symptome variieren je nach eingeengtem Nervenast: Bei Beteiligung des Nervus plantaris medialis treten Brennen und Taubheitsgefühl an der medialen Fußsohle auf, bei Beteiligung des Nervus plantaris lateralis Beschwerden auf der lateralen Seite und bei Beteiligung der Rami calcanei Fersenschmerzen. Die Diagnose wird durch klinische Untersuchung (Tinel-Test, Valleix-Phänomen, Eversions-Dorsalextensions-Test) und elektrophysiologische Tests (EMG/NLG – Verlängerung der motorischen und sensiblen Latenzen) gestellt. Der Behandlungsansatz kann konservativ (Orthese, NSAR, Physiotherapie, Steroidinjektion) oder operativ sein (Tarsaltunnel-Dekompression – offenes oder endoskopisches Release); die operative Erfolgsrate liegt bei 70–80 %, und eine frühzeitige Diagnose/Behandlung verbessert die Prognose.
Nervenkompressionssyndrome
Nervenkompressionssyndrome sind neurologische Krankheitsbilder, bei denen infolge der Einklemmung peripherer Nerven durch anatomische Strukturen Schmerzen, Taubheitsgefühl und Schwäche entstehen. Am häufigsten treten das Karpaltunnel-, das Kubitaltunnel- und das Tarsaltunnelsyndrom auf.
Anatomie
Das periphere Nervensystem besteht aus Nerven, die in alle Körperregionen reichen.