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Funktionelle Neurochirurgie

Bewegungsstörungen und Neuromodulation

Über die Funktionelle Neurochirurgie

Die funktionelle Neurochirurgie ist ein Teilgebiet der Neurochirurgie, in dem funktionelle Störungen (Bewegungsstörungen, Epilepsie, Schmerzen, Spastik) chirurgisch behandelt werden, während die strukturelle Integrität von Gehirn und Nervensystem erhalten bleibt. Der grundlegende Unterschied zur klassischen Neurochirurgie besteht darin, dass nicht ein Tumor oder eine Läsion entfernt wird, sondern die Symptome durch Modulation der Hirnschaltkreise gebessert werden. Die Grundpfeiler der modernen funktionellen Neurochirurgie sind die Neuromodulation (tiefe Hirnstimulation – DBS, Vagusnervstimulation – VNS, Rückenmarkstimulation – SCS), ablative Techniken (mikrovaskuläre Dekompression – MVD, Radiochirurgie, Rhizotomie) und die Epilepsiechirurgie.

Die tiefe Hirnstimulation (DBS) ist die bedeutendste Innovation der funktionellen Neurochirurgie und wurde 1987 von Benabid erstmals bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Bei der DBS wird eine Elektrode in einen Zielkern des Gehirns (Nucleus subthalamicus – STN, Globus pallidus internus – GPi, Nucleus ventralis intermedius – VIM, Nucleus anterior thalami – ANT) implantiert und eine kontinuierliche elektrische Stimulation abgegeben. Der unterhalb des Brustkorbansatzes implantierte Neurostimulator (Batterie) ist programmierbar und wird an die Bedürfnisse des Patienten angepasst. Die DBS verbessert motorische Fluktuationen bei der Parkinson-Krankheit um 40-60 %, reduziert das Zittern beim essentiellen Tremor um 80-90 %, kontrolliert die Muskelkontraktionen bei Dystonie und verringert die Anfallshäufigkeit bei medikamentenresistenter Epilepsie um 30-50 %. Der größte Vorteil der DBS ist ihre Reversibilität (Umkehrbarkeit); sie schädigt das Hirngewebe nicht dauerhaft, kann ein- und ausgeschaltet sowie angepasst werden.

Die Epilepsiechirurgie ist der Goldstandard bei medikamentenresistenter fokaler Epilepsie. Bei Operationen der Temporallappenepilepsie (häufigster Typ) – anteriore temporale Lobektomie, selektive Amygdalohippokampektomie – wird bei 60-80 % der Patienten eine vollständige Anfallskontrolle (Engel-Klasse I) erreicht. Extratemporale Resektionen (frontal, parietal, okzipital) haben eine Erfolgsrate von 40-60 %. Palliative Eingriffe (Korpus-Kallosotomie, Vagusnervstimulation – VNS, responsive Neurostimulation – RNS) stoppen die Anfälle zwar nicht vollständig, verringern aber ihre Häufigkeit und Schwere. Eine frühe Operation (Krankheitsdauer unter 10 Jahren) führt zu besseren Ergebnissen, da chronische Anfälle zu kognitiven Beeinträchtigungen führen.

Bei der Behandlung kranialer Neuralgien (Trigeminusneuralgie, Glossopharyngeusneuralgie) und des Hemispasmus facialis ist die mikrovaskuläre Dekompression (MVD) mit einer Erfolgsrate von 85-95 % der Goldstandard. Bei der MVD wird das Gefäß (A. cerebelli superior, PICA, AICA), das den Hirnnerv (Trigeminus, Fazialis, Glossopharyngeus) komprimiert, mit einem Teflon-Polster vom Nerv getrennt, wodurch Schmerzen oder Zuckungen dauerhaft beseitigt werden. Die Gamma-Knife-Radiochirurgie ist eine nichtinvasive Alternative für ältere oder Hochrisikopatienten; durch fokussierte Bestrahlung des Nervenziels wird eine Erfolgsrate von 60-80 % erreicht.

Die Spastikbehandlung wird bei Muskelsteifheit nach Zerebralparese, Rückenmarksverletzung, Multipler Sklerose und traumatischer Hirnschädigung eingesetzt. Die intrathekale Baclofen-Pumpe (ITB), eine in die Bauchdecke implantierte programmierbare Pumpe, gibt kontinuierlich das Medikament Baclofen in den Spinalkanal ab und reduziert die Spastik um 70-80 %. Die selektive dorsale Rhizotomie (SDR) reduziert bei gehfähigen Kindern mit spastischer Diplegie die Spastik der unteren Extremitäten dauerhaft, indem 25-50 % der dorsalen Nervenwurzeln durchtrennt werden.

Bei der Behandlung chronischer Schmerzen stimuliert die Rückenmarkstimulation (SCS) über eine in den Epiduralraum implantierte Elektrode die Hinterstränge des Rückenmarks; beim Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS), beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS), bei neuropathischen Schmerzen und Schmerzen infolge peripherer Gefäßerkrankungen wird bei 50-70 % der Patienten eine Schmerzreduktion von über 50 % erreicht. Intrathekale Medikamentenpumpen (Morphin, Baclofen) werden bei Tumorschmerzen und Spastik eingesetzt.

Stereotaktische Chirurgie und Neuronavigationstechnologien bilden die Grundlage der funktionellen Neurochirurgie. Mit dem Leksell-Stereotaxierahmen, rahmenlosen Navigationssystemen, intraoperativem MRT, Mikroelektrodenableitung (MER), elektrophysiologischem Mapping und Wachoperationen (awake surgery) wird eine millimetergenaue Zielführung erreicht. Die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) kartiert die Bahnen der weißen Substanz, die funktionelle MRT (fMRT) den eloquenten Kortex (Motorik- und Sprachareale) und erhöht so die Sicherheit des Eingriffs.

Die funktionelle Neurochirurgie ist ein multidisziplinäres Fachgebiet und erfordert eine koordinierte Zusammenarbeit mit der Neurologie (Spezialist für Bewegungsstörungen, Epileptologe), Neuroradiologie, Neurophysiologie, Neuropsychiatrie und Physiotherapie. Patientenauswahl (Identifikation geeigneter Kandidaten), präoperative Abklärung (Bildgebung, EEG, neuropsychologische Tests), Operationstechnik und postoperative Programmierung/Nachsorge sind für optimale Ergebnisse entscheidend. Die DBS-Programmierung beginnt 2-4 Wochen nach der Operation und wird über Monate optimiert; für jeden Patienten werden individuelle Parameter (Spannung, Frequenz, Impulsbreite, Elektrodenkonfiguration) eingestellt.

Zusammenfassend bietet die funktionelle Neurochirurgie lebensrettende Behandlungen bei medikamentenresistenten Bewegungsstörungen, Epilepsie, Spastik, Schmerzen und kranialen Neuralgien. Mit DBS, MVD, Epilepsiechirurgie und Neuromodulationstechniken verbessert sich die Lebensqualität der Patienten dramatisch. In erfahrenen Zentren für funktionelle Neurochirurgie sind die Komplikationsraten niedrig, und das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist sehr günstig. Frühe Diagnose und der richtige Operationszeitpunkt optimieren die Langzeitergebnisse.

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Tiefe Hirnstimulation (DBS)

Ein fortschrittliches chirurgisches Verfahren zur Behandlung von Parkinson, Tremor und Dystonie. In gezielte Hirnareale werden Elektroden implantiert, über die eine kontinuierliche elektrische Stimulation abgegeben wird. Die Steuerung erfolgt über eine unterhalb des Brustkorbansatzes implantierte Batterie, die einstellbar ist.

Epilepsiechirurgie

Operation zur Entfernung des Anfallsherdes bei medikamentenresistenter Epilepsie. Mittels Video-EEG-Monitoring wird der Anfallsursprung lokalisiert und der Herd durch einen präzisen Eingriff entfernt. Bei Temporallappenepilepsie liegt die Erfolgsrate bei 60-80 %.

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Vagusnervstimulation (VNS)

Implantation eines Stimulators am Vagusnerv im Halsbereich bei medikamentenresistenter Epilepsie. Das unterhalb des Brustkorbansatzes implantierte Gerät sendet regelmäßige elektrische Impulse und verringert so die Anfallshäufigkeit. Ein minimalinvasives Behandlungsverfahren.

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Gamma-Knife-Radiochirurgie

Einzeitige Strahlenbehandlung bei Trigeminusneuralgie, kleinen Tumoren und AVM. Ohne Schnitt wird das Zielgewebe mit fokussierten Strahlenbündeln behandelt. Schmerzlos und ohne Narkose.

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Mikrovaskuläre Dekompression

Mikrochirurgisches Verfahren bei Trigeminusneuralgie, Hemispasmus facialis und anderen Hirnnervenkompressionen. Das auf den Nerv drückende Gefäß wird vom Nerv getrennt und so die Schmerzursache beseitigt. Die dauerhafteste Behandlungsmethode.

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Intrathekale Baclofen-Pumpe

Eine zur Behandlung der Spastik in die Bauchdecke implantierte Medikamentenpumpe. Sie gibt kontinuierlich das Medikament Baclofen in den Spinalkanal ab und reduziert so die Muskelsteifheit. Eingesetzt bei Zerebralparese und Rückenmarksverletzungen.

FAQ

Was ist die tiefe Hirnstimulation (DBS) und wie funktioniert sie?
Bei der tiefen Hirnstimulation (DBS) werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert, über die elektrische Impulse abgegeben werden. Die unterhalb des Brustkorbansatzes implantierte Batterie (Neurostimulator) sendet kontinuierlich elektrische Signale an die Elektroden und reguliert so die abnorme Hirnaktivität. Sie wirkt bei der Parkinson-Krankheit auf Tremor, Rigor und Bradykinese, beim essentiellen Tremor auf das Zittern, bei Dystonie auf die Muskelkontraktionen und bei therapieresistenter Epilepsie auf die Anfälle. Sie schädigt das Hirngewebe nicht dauerhaft (reversibel) und ist einstell- und abschaltbar – ein Vorteil gegenüber läsionellen Verfahren.
Kann ich nach der DBS-Operation meine Parkinson-Medikamente absetzen?
Nein, die DBS-Operation ersetzt die Parkinson-Medikamente nicht vollständig, kann die Medikamentendosis jedoch erheblich reduzieren (30-50 % Reduktion). Die DBS wird bei Patienten bevorzugt, bei denen die Medikamente wirken, aber Nebenwirkungen oder "Off"-Phasen problematisch sind. In den ersten 3-6 Monaten nach der Operation wird die DBS-Programmierung optimiert und die Medikamentendosis schrittweise angepasst. Bei manchen Patienten können bestimmte Medikamente vollständig abgesetzt werden, meist wird jedoch eine niedrige Dosis fortgeführt. Da Parkinson langfristig eine fortschreitende Erkrankung ist, können im Laufe der Zeit Anpassungen sowohl der DBS als auch der Medikamente erforderlich werden.
Wird die Parkinson-Operation im Wachzustand durchgeführt?
Ja, klassische DBS-Operationen werden in der Regel bei Bewusstsein des Patienten unter Lokalanästhesie + Sedierung durchgeführt (Wachoperation). Ziel ist die optimale Platzierung der Elektroden: Mit dem Patienten wird gesprochen, seine Bewegungen werden getestet, und Nebenwirkungen (Sprechstörungen, Muskelkontraktionen) werden sofort beurteilt. Heutzutage kann die DBS jedoch auch unter Vollnarkose mit MRT-Führung (intraoperatives MRT) oder O-Arm-Navigation durchgeführt werden. Bei dieser Methode ist die anatomische Zielführung präziser, und die Belastung für den Patienten ist geringer. Alter, Angstniveau des Patienten und die Präferenz des Chirurgen bestimmen die Art der Operation.
Stoppt die Epilepsieoperation die Anfälle vollständig?
Die Erfolgsrate der Epilepsiechirurgie hängt von der Lage und Art des Anfallsherdes ab. Bei Operationen der Temporallappenepilepsie (häufigster chirurgisch behandelter Typ) werden bei 60-80 % der Patienten die Anfälle vollständig kontrolliert (Engel-Klasse I), bei 10-20 % treten nur noch selten Anfälle auf. Bei extratemporalen Epilepsien ist die Erfolgsrate niedriger (40-60 %). Eine umfassende Abklärung vor der Operation (Langzeit-Video-EEG-Monitoring, neuropsychologische Tests, funktionelle Bildgebung) erhöht die Erfolgschancen. Palliative Verfahren wie die Korpus-Kallosotomie oder die VNS (Vagusnervstimulation) stoppen die Anfälle zwar nicht vollständig, verringern aber ihre Häufigkeit und Schwere.
Kann die Trigeminusneuralgie ohne Operation behandelt werden?
Ja, die Trigeminusneuralgie wird zunächst medikamentös behandelt (Carbamazepin, Oxcarbazepin, Gabapentin), und 70-80 % der Fälle sprechen anfangs auf die Medikamente an. Mit der Zeit kann die Wirksamkeit der Medikamente jedoch nachlassen, oder die Nebenwirkungen werden nicht mehr toleriert. Alternativen ohne offene Operation: Gamma-Knife-Radiochirurgie (eine Sitzung, nicht invasiv, 70-80 % Erfolg, Wirkung nach 1-3 Monaten), RF-Thermokoagulation (perkutane Nervenablation), Glyzerin-Injektion und Ballonkompression. Die chirurgische Option ist die mikrovaskuläre Dekompression (MVD), bei der das auf den Nerv drückende Gefäß vom Nerv getrennt wird; sie erzielt eine Erfolgsrate von 85-90 % und ist die dauerhafteste Lösung.
Wie lange hält die DBS-Batterie, und muss sie ausgetauscht werden?
Die Lebensdauer des DBS-Neurostimulators (Batterie) hängt von der Nutzungsintensität ab. Standardbatterien mit Primärzellen halten in der Regel 3-5 Jahre. Wiederaufladbare Batterien können 9-15 Jahre oder länger verwendet werden, müssen aber vom Patienten 1-2 Mal pro Woche aufgeladen werden. Ist die Batterie erschöpft, wird in einem kleinen Eingriff nur der Generator unterhalb des Brustkorbansatzes ausgetauscht; die Elektroden im Gehirn bleiben unberührt. Der Eingriff dauert unter Lokalanästhesie 30-45 Minuten, und die Entlassung erfolgt in der Regel am selben Tag. Wiederaufladbare Batterien sind langfristig wirtschaftlicher, erfordern jedoch die Mitwirkung des Patienten. Bei modernen Batterien kann der Ladezustand per Telemetrie überwacht werden.

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Assoc. Prof. Dr. Özgür Akşan

Brain, Spine & Nerve Surgeon · İzmir, Türkiye

Specializes in the evaluation and surgical treatment of brain, spine and peripheral nerve conditions. This article was prepared and medically reviewed in light of clinical experience and reference textbooks.

About the doctorLast reviewed: 5 July 2026

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