Q1.Was ist ein Glioblastom und wie gefährlich ist es?▼
Das Glioblastom ist der bei Erwachsenen häufigste und am schnellsten wachsende bösartige Hirntumor. Es geht von den Stützzellen des Gehirns (Gliazellen) aus und ist nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation ein Tumor vom Grad 4 (höchster Grad). Es wächst sehr schnell, breitet sich in das umliegende Hirngewebe aus und bildet neue Blutgefäße. Mit modernen Behandlungen liegt die mittlere Überlebenszeit bei 15–21 Monaten, die 2-Jahres-Überlebenschance bei 26 % und die 5-Jahres-Überlebenschance bei 5–7 %. Bei Patientinnen und Patienten mit methyliertem MGMT-Gen ist die Prognose besser (21–24 Monate). Jeder Fall ist anders; ein junges Alter, ein guter Allgemeinzustand, die Möglichkeit einer vollständigen Operation und eine MGMT-Methylierung sind günstige prognostische Faktoren.
Q2.Was sind die Symptome eines Glioblastoms? Wie erkennt man es?▼
Die Symptome eines Glioblastoms hängen von der Lage des Tumors ab, doch die häufigsten Beschwerden sind: starke Kopfschmerzen (morgens schlimmer, sprechen nicht auf Schmerzmittel an), Übelkeit und Erbrechen (besonders morgens), epileptische Anfälle (bei 20–30 % der Fälle das erste Symptom), Schwäche in Arm und Bein auf einer Körperseite, Sprachstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Gedächtnisverlust, Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen und vermehrte Schläfrigkeit. Die Beschwerden treten meist innerhalb von Wochen bis Monaten auf und verschlechtern sich rasch. Bei einem oder mehreren dieser Symptome sollten Sie unbedingt eine Fachärztin oder einen Facharzt für Neurochirurgie aufsuchen und eine MRT des Gehirns durchführen lassen.
Q3.Wie wird ein Glioblastom diagnostiziert? Welche Untersuchungen werden durchgeführt?▼
Für die Diagnose eines Glioblastoms wird zunächst eine MRT des Gehirns mit Kontrastmittel durchgeführt. In der MRT sind eine dicke ringförmige Kontrastmittelanreicherung mit einem Bereich abgestorbenen Gewebes in der Mitte typische Befunde. Weiterführende MRT-Verfahren (Perfusion, Spektroskopie) zeigen die Durchblutung und den Stoffwechsel des Tumors. Die endgültige Diagnose wird durch die mikroskopische Untersuchung einer operativ entnommenen Gewebeprobe gestellt. Heute sind molekulare Tests unverzichtbar: Beurteilt werden das IDH-Gen (ohne Mutation Glioblastom), die Methylierung des MGMT-Gens (bestimmt das Ansprechen auf die Chemotherapie) sowie EGFR- und TERT-Mutationen. Diese Tests sind für die Festlegung des Behandlungsplans und der Prognose von entscheidender Bedeutung.
Q4.Wie wird ein Glioblastom behandelt? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?▼
Die Behandlung eines Glioblastoms besteht aus drei Hauptphasen: 1) Operation: Entfernung eines möglichst großen Anteils des Tumors auf sichere Weise (mit modernen Techniken wie 5-ALA-Fluoreszenz, intraoperativer MRT und Wachkraniotomie). 2) Kombinierte Radiochemotherapie: 2–4 Wochen nach der Operation über 6 Wochen Strahlentherapie + Temozolomid-Tablette (Stupp-Schema). 3) Adjuvante Chemotherapie: 6–12 Zyklen Temozolomid (bei MGMT-Methylierung 12 Zyklen). Ergänzend kann eine Behandlung mit elektrischen Wechselfeldern (TTFields) mit dem Optune-Gerät hinzugefügt werden. Bei einem Rezidiv können eine erneute Operation, eine stereotaktische Radiochirurgie, Bevacizumab oder neue Immuntherapien (CAR-T) in Betracht gezogen werden.
Q5.Was ist die MGMT-Methylierung? Warum ist sie wichtig?▼
MGMT (O6-Methylguanin-DNA-Methyltransferase) ist ein DNA-Reparaturgen. Wenn das MGMT-Gen methyliert (stillgelegt) ist, werden die Tumorzellen empfindlicher gegenüber der Temozolomid-Chemotherapie, da sie DNA-Schäden nicht mehr reparieren können. Bei Patientinnen und Patienten mit MGMT-Methylierung ist die Chemotherapie deutlich wirksamer, und die mittlere Überlebenszeit steigt auf 21–24 Monate (ohne Methylierung 12–15 Monate). Deshalb ist bei allen Glioblastom-Patientinnen und -Patienten ein MGMT-Methylierungstest zwingend erforderlich, und der Behandlungsplan wird entsprechend angepasst. Während Patientinnen und Patienten mit MGMT-Methylierung 12 Chemotherapie-Zyklen empfohlen werden, können bei fehlender Methylierung alternative Behandlungen früher in Betracht gezogen werden.
Q6.Was ist die 5-ALA-Fluoreszenz? Wie wird sie bei der Operation eingesetzt?▼
5-ALA (5-Aminolävulinsäure) ist ein Medikament, das die Patientin oder der Patient 3 Stunden vor der Operation einnimmt. Die Tumorzellen nehmen dieses Medikament auf und fluoreszieren (leuchten) in einem violett-rosa Farbton. Während der Operation kann die Chirurgin oder der Chirurg die Tumorzellen unter einem speziellen blauen Licht sehr deutlich erkennen und die Grenze zwischen gesundem Hirngewebe und Tumor besser unterscheiden. Dadurch können 20–30 % mehr Tumorgewebe entfernt und die Überlebenszeit um 2–3 Monate verlängert werden. Die 5-ALA-Fluoreszenz-gestützte Chirurgie hat sich bei Glioblastom-Operationen zum Goldstandard entwickelt. Die Nebenwirkungen sind minimal (für 48 Stunden ist Sonnenschutz erforderlich).
Q7.Welche Risiken hat die Glioblastom-Operation?▼
Die Risiken der Glioblastom-Operation hängen von der Lage des Tumors ab. Das allgemeine Komplikationsrisiko liegt bei etwa 5–10 %. Die wichtigsten Risiken sind: Blutung (2–3 %), Infektion (1–2 %), Hirnödem, Krampfanfall, Schwäche in Arm und Bein (in der Nähe des motorischen Kortex vorübergehend 10–15 %, dauerhaft 2–5 %), Sprachstörung (in der Nähe des Sprachkortex 5–10 %) und Sehstörung (Okzipitallappen). Mit modernen Techniken (intraoperative MRT, Neuronavigation, Wachkraniotomie, Motor- und Sprachmapping) werden diese Risiken auf ein Minimum reduziert. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen neurochirurgischen Team ist von entscheidender Bedeutung.
Q8.Kann ein Glioblastom erneut auftreten? Was wird bei einem Rezidiv getan?▼
Ein Glioblastom tritt fast immer erneut auf, da sich die Tumorzellen in das Hirngewebe ausbreiten und operativ nicht vollständig entfernt werden können. Die mittlere Zeit bis zum Rezidiv beträgt 7–10 Monate. Behandlungsmöglichkeiten bei einem Rezidiv: 1) erneute Operation (wenn der Tumor begrenzt und der Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten gut ist), 2) stereotaktische Radiochirurgie (bei kleinen Rezidiven), 3) Chemotherapie mit Bevacizumab (Avastin) (ein Medikament, das die Gefäßneubildung hemmt), 4) Lomustin-Chemotherapie, 5) Prüfpräparate aus klinischen Studien und neue Immuntherapien (CAR-T-Zelltherapie, dendritische Zellimpfungen, onkolytische Viren). Der Behandlungsplan wird für jede Patientin und jeden Patienten individuell erstellt.
Q9.Was ist die CAR-T-Zelltherapie? Ist sie beim Glioblastom wirksam?▼
Bei der CAR-T-Zelltherapie werden die körpereigenen Immunzellen (T-Zellen) der Patientin oder des Patienten im Labor gentechnisch so verändert, dass sie Tumorzellen erkennen, und anschließend wieder verabreicht. In den Jahren 2025–2026 zeigen CAR-T-Therapien beim Glioblastom sehr vielversprechende Ergebnisse. Insbesondere gegen EGFRvIII und IL13Rα2 gerichtete CAR-T-Therapien werden in klinischen Studien untersucht. Sie ist noch keine Standardbehandlung, aber vielversprechend für die Zukunft. Auch in der Türkei wird die CAR-T-Therapie in einigen Zentren im Rahmen klinischer Studienprotokolle angeboten. Sie kann sich zu einer wichtigen Option für Patientinnen und Patienten mit einem Glioblastom-Rezidiv entwickeln.
Q10.Wie lässt sich die Lebensqualität von Glioblastom-Patientinnen und -Patienten erhalten?▼
Während der Glioblastom-Behandlung ist der Erhalt der Lebensqualität sehr wichtig. Empfehlungen: 1) regelmäßige Bewegung (Spaziergänge, leichte Gymnastik), 2) ausgewogene Ernährung (der Protein- und Kalorienbedarf steigt), 3) ausreichender Schlaf, 4) Stressbewältigung (Meditation, Yoga), 5) soziale Unterstützung (Familie, Freunde, Selbsthilfegruppen), 6) Symptomkontrolle (Schmerzmittel, Antiepileptika, Kortikosteroide), 7) psychologische Unterstützung (Behandlung von Depression und Angst), 8) Physiotherapie und Rehabilitation (bei Schwäche), 9) Zusammenarbeit mit einem Palliativteam. Die Bedürfnisse jeder Patientin und jedes Patienten sind unterschiedlich, und der Behandlungsplan sollte entsprechend angepasst werden.