Wernicke-Enzephalopathie

Ein durch Vitamin-B1-Mangel (Thiamin) bedingtes akutes Hirnbild, das eine rasche Behandlung erfordert.

H17 Themenleitfaden

Metabolische und degenerative ZNS-Erkrankungen

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1Überblick

Schnelle und verständliche Informationen für Patientinnen und Patienten

Was ist die Erkrankung?

Symptome

Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit zu Zeit-Ort-Person, verlangsamtes Denken und Aufmerksamkeit
Unsicherheit, Schwanken beim Gehen, Schwierigkeiten beim Stehen (Ataxie)
Augenbewegungsstörungen: unwillkürliches Augenzittern, Doppeltsehen, Unfähigkeit, die Augen zur Seite zu bewegen
Benommenheit, Antriebslosigkeit, im fortgeschrittenen Zustand ausgeprägte Schläfrigkeit
Taubheitsgefühl, Kribbeln und Schwäche in Händen und Füßen (begleitende Nervenbeteiligung)
Niedriger Blutdruck, Herzklopfen, Absinken der Körpertemperatur

Diagnoseverfahren

Behandlungsverfahren

Intravenöses hochdosiertes Vitamin B1 (Thiamin) – ohne Verzögerung
Mit der Besserung der Symptome verringerte Dosis und orale Erhaltungstherapie mit Vitaminen
Korrektur der Ernährung, Sicherstellung des Flüssigkeits- und Mineralstoffgleichgewichts
Physiotherapie und kognitive Unterstützung für Gleichgewicht und Gedächtnis

Häufig gestellte Fragen zu Wernicke-Enzephalopathie

Q1.Warum kann die Gabe von Zucker (Glukose) gefährlich sein?
Wird einer Person mit Thiaminmangel (Vitamin B1) eine zuckerhaltige Infusion gegeben, bevor Thiamin verabreicht wird, kann dies das verbleibende Thiamin des Körpers rasch verbrauchen und ein Wernicke-Bild auslösen oder verschlechtern. Deshalb ist die Regel bei Risikopatienten eindeutig: Zucker wird unbedingt zusammen mit Thiamin oder nach dem Thiamin gegeben. Diese einfache Vorsichtsmaßnahme kann schwere Schäden verhindern.
Q2.Bessert sich die Wernicke-Enzephalopathie vollständig?
Mit einer frühen und ausreichend dosierten Thiamintherapie können sich besonders die Augenbefunde und Gleichgewichtsprobleme weitgehend bessern. Wird die Behandlung jedoch verzögert, kann sich ein bleibender und schwerer Gedächtnisverlust (Korsakow-Syndrom) entwickeln; dieser Zustand bildet sich meist nicht zurück. Deshalb ist der Behandlungsbeginn ohne Verzögerung bei Verdacht der wichtigste Faktor, der das Ergebnis bestimmt.
Q3.Wer ist gefährdet?
Am häufigsten tritt sie bei Personen mit langjährigem übermäßigem Alkoholkonsum auf; jedoch stellt jeder Zustand, der die Thiaminaufnahme verringert, ein Risiko dar – Mangelernährung, Magen-Darm-Operationen (zum Beispiel Adipositaschirurgie), lang andauerndes Erbrechen (einschließlich übermäßigem Erbrechen in der Schwangerschaft), Krebs und lange Fastenperioden. In diesen Gruppen sollte man auch bei milden Symptomen aufmerksam sein.
Q4.Treten die drei klassischen Symptome bei jedem Patienten auf?
Nein. Die klassische Trias aus Bewusstseinstrübung, Gleichgewichtsstörung und Augenbewegungsstörung liegt nur bei einem Teil der Patienten gemeinsam vor. Auf diese Trias zu warten, verzögert die Diagnose. Deshalb wird bei einer Risikoperson, bei der auch nur eines dieser Symptome vorliegt, die Diagnose erwogen und die Behandlung begonnen.
Q5.Werden für die Diagnose Testergebnisse abgewartet?
Nein. Thiamin ist ein sicheres Vitamin, und da eine Verzögerung zu bleibenden Schäden führen kann, wird bei Verdacht die Behandlung begonnen, ohne die Ergebnisse von Bluttest oder MRT abzuwarten. Die MRT des Gehirns kann die Diagnose stützen, ein normaler Befund schließt die Erkrankung jedoch nicht aus. Die Behandlung ist also eine Maßnahme, die „auf Verdacht“ begonnen wird, ohne eine gesicherte Diagnose abzuwarten.
Q6.Was ist das Korsakow-Syndrom?
Das Korsakow-Syndrom ist eine bleibende und schwere Gedächtnisstörung, die sich entwickeln kann, wenn eine Wernicke-Enzephalopathie nicht rechtzeitig behandelt wird; die Person hat große Schwierigkeiten, neue Informationen zu lernen und sich an die jüngste Vergangenheit zu erinnern, und füllt Lücken manchmal mit erfundenen Erinnerungen aus. Dieses Bild ist weitgehend vermeidbar; der Schlüssel ist die frühe Erkennung und Behandlung der Wernicke-Enzephalopathie.

Kaynaklar

  1. Greenberg MS. Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:215.
  2. Osborn AG, Hedlund GL, Salzman KL. Osborn's Brain: Imaging, Pathology, and Anatomy. 2nd ed. Elsevier; 2018:926.
  3. Greenberg MS. Neurotoxicology: Wernicke encephalopathy. In: Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023.

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Wernicke-Enzephalopathie (ICD-10: E51.2) | Dr. Özgür Akşan