Okzipitalisneuralgie (Nervenschmerz im Nacken und Hinterkopf)

Nervenbedingter, starker Schmerz im Nacken und Hinterkopf

H15 Themenleitfaden

Kraniale Neuralgien und Schmerz

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1Überblick

Schnelle und verständliche Informationen für Patientinnen und Patienten

Was ist die Erkrankung?

Symptome

Starker, einem elektrischen Schlag ähnlicher Schmerz im Nacken und Hinterkopf
Meist einseitiger Schmerz (mitunter beidseitig)
Ausstrahlung des Schmerzes zum Scheitel und zu den Schläfen
In Attacken auftretender oder anhaltend brennender Schmerz
Auslösung des Schmerzes durch Nackenbewegungen (Neigen des Kopfes nach hinten, Drehen)
Verstärkung des Schmerzes beim Haarekämmen, Aufsetzen eines Hutes, Auflegen des Kopfes auf das Kissen
Starker Schmerz bei Berührung des Nackenbereichs
Taubheit, Kribbeln oder übermäßige Empfindlichkeit in der Region
Bei manchen Patienten Lichtempfindlichkeit und Übelkeit
Beeinträchtigung des Schlafrhythmus und der Alltagsaktivitäten durch den Schmerz

Diagnoseverfahren

Behandlungsverfahren

Nervenblockaden (Injektion eines Schmerzmittels) – verschaffen vorübergehende Erleichterung
Operation zur Nervenbefreiung (Dekompression) – Ziel: dauerhafte Schmerzkontrolle
Gegen Nervenschmerzen gerichtete Medikamente (Gabapentin oder Pregabalin)
Schmerzmittel und Muskelrelaxanzien (Behandlung der ersten Stufe)
Einige Antidepressiva (niedrig dosiert)
Physiotherapie (Nackendehnung, Muskelentspannung, elektrische Stimulation)
Okzipitalisnervenstimulation (bei therapieresistenten Fällen)
Radiofrequenzanwendung

Häufig gestellte Fragen zu Okzipitalisneuralgie (Nervenschmerz im Nacken und Hinterkopf)

Q1.Was ist die Okzipitalisneuralgie und worin unterscheidet sie sich von der Migräne?
Die Okzipitalisneuralgie ist ein starker Nervenschmerz im Nacken und Hinterkopf, ähnlich einem elektrischen Schlag, der infolge einer Reizung der Nerven im Nacken entsteht. Die Migräne hingegen ist eine andere Form von Kopfschmerz, die meist einseitig und pulsierend ist und eher im Stirn-Schläfen-Bereich empfunden wird. Die wichtigsten Unterschiede sind: Die Okzipitalisneuralgie wird im Nacken und Hinterkopf, wie ein elektrischer Schlag oder stechend, empfunden; die Migräne dagegen im Stirn-Schläfen-Bereich, pulsierend. Während die Migräne häufig von Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Sehstörungen begleitet wird, besteht bei der Okzipitalisneuralgie meist nur der Schmerz. Die Okzipitalisneuralgie wird durch Faktoren wie Nackenbewegungen und Haarekämmen ausgelöst. In der Untersuchung stützt die Auslösung des Schmerzes bei Druck auf den Nackennerv die Okzipitalisneuralgie; bei der Migräne fehlt dieser Befund. Auch die Behandlung unterscheidet sich: bei der Okzipitalisneuralgie Nervenblockaden und bei Bedarf eine Operation, bei der Migräne migränespezifische Medikamente.
Q2.Wie wird eine Nervenblockade (Okzipitalisnervenblockade) durchgeführt und wie wirksam ist sie?
Die Nervenblockade ist ein kleiner Eingriff, der sowohl der Diagnose als auch der Schmerzlinderung dient. Während der Patient sitzt oder in Bauchlage liegt, wird die Durchtrittsstelle des Nervs im Nacken bestimmt. In diese Region werden mit einer feinen Nadel ein Lokalanästhetikum und bei Bedarf ein entzündungshemmendes Medikament injiziert. Der Eingriff dauert einige Minuten und wird ambulant durchgeführt. Bei einem erheblichen Teil der Patienten lässt der Schmerz innerhalb kurzer Zeit vorübergehend nach; dieses Ansprechen kann die Diagnose stützen, ist jedoch für sich allein nicht beweisend, da auch andere Kopfschmerzformen auf die Blockade ansprechen können. Durch die Wirkung des entzündungshemmenden Medikaments beginnt die Erleichterung innerhalb weniger Tage und kann zwischen einigen Wochen und einigen Monaten anhalten. Lässt die Wirkung nach, kann der Eingriff in bestimmten Abständen wiederholt werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen eine vorübergehende Taubheit in der Region, eine kleine Blutung oder selten eine allergische Reaktion. Die Nervenblockade ist ein sicheres Verfahren, verschafft jedoch keine dauerhafte Behandlung, sondern eine vorübergehende Erleichterung.
Q3.Für wen ist die Operation zur Nervenbefreiung (Dekompression) geeignet und wie hoch ist die Erfolgsrate?
Die Operation zur Nervenbefreiung wird bei Patienten mit Okzipitalisneuralgie erwogen, die auf die medikamentöse Behandlung nicht ausreichend ansprechen oder auf Nervenblockaden nur kurzfristig reagieren. In der Regel ist sie in folgenden Situationen geeignet: unzureichendes Ansprechen auf Medikamente (einschließlich Nervenschmerzmittel), vorübergehendes, aber kurzfristiges Ansprechen auf Nervenblockaden, ein seit Langem bestehender und die Lebensqualität beeinträchtigender Schmerz sowie der Ausschluss einer anderen Ursache (etwa eines Tumors). Der Eingriff erfolgt über einen kleinen Schnitt im hinteren mittleren Nackenbereich; der den Nerv einengende Muskelanteil wird gelockert und der Nerv entlastet. Die Operation dauert kurz, und der Krankenhausaufenthalt beträgt in der Regel ein bis zwei Tage. Bei manchen Patienten verschwindet der Schmerz dauerhaft oder nimmt deutlich ab; die Evidenz zur Wirksamkeit dieser Eingriffe ist jedoch begrenzt, sie führen nicht bei jedem Patienten zu einem dauerhaften Ergebnis, und der Schmerz kann nach der Behandlung erneut auftreten. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen eine meist vorübergehende Taubheit im Nacken und selten eine Wundinfektion. Es handelt sich um eine sichere operative Möglichkeit, die über einen kleinen Schnitt durchgeführt wird.
Q4.Was ist die Okzipitalisnervenstimulation und wann wird sie erwogen?
Die Okzipitalisnervenstimulation ist ein Verfahren, das bei Patienten mit chronischer, gegenüber Medikamenten und Operation therapieresistenter Okzipitalisneuralgie angewandt wird. Durch leichte elektrische Reize wird die Nervenaktivität reguliert und so die Schmerzwahrnehmung verringert. Sie wird in folgenden Situationen erwogen: gegenüber Medikamenten therapieresistenter Schmerz, fehlendes oder nur kurzfristiges Ansprechen auf Nervenblockaden, fehlendes Ansprechen auf die Operation zur Nervenbefreiung oder Wiederauftreten des Schmerzes. Bei dem Eingriff werden unter der Haut entlang des Nervs im Nacken feine Elektroden eingesetzt. Zunächst wird eine Probephase durchgeführt; nimmt der Schmerz deutlich ab, wird ein dauerhaftes System eingesetzt. Bei dem dauerhaften System wird ein kleines Gerät, das den Reiz abgibt, in den Körper eingesetzt. Bei einem erheblichen Teil der Patienten nimmt der Schmerz um die Hälfte oder mehr ab. Zu den möglichen Problemen zählen eine Verlagerung der Elektrode, eine Infektion und durch den Reiz bedingte vorübergehende Empfindungsveränderungen. Der wesentliche Vorteil dieses Verfahrens ist, dass es einstellbar und bei Bedarf rückgängig zu machen ist und keinen dauerhaften Gewebeschaden hinterlässt.
Q5.Besteht ein Zusammenhang zwischen der Okzipitalisneuralgie und strukturellen Problemen im hinteren Teil des Gehirns (Chiari)?
Ja, die Chiari-Malformation – ein Zustand, bei dem der untere Teil des Kleinhirns im hinteren Teil des Gehirns weiter als normal nach unten reicht – kann eine der seltenen Ursachen der Okzipitalisneuralgie sein. Dieses Absinken kann durch Dehnung oder Einengung der Nerven im Nacken und der dortigen Häute einen der Okzipitalisneuralgie ähnlichen Schmerz verursachen. Das unterscheidende Merkmal des durch diesen Zustand bedingten Schmerzes ist seine Zunahme bei Husten, Pressen oder körperlicher Anstrengung. Zudem können Begleitsymptome wie Gleichgewichtsstörung, Sprechschwierigkeiten und Taubheit in den Armen auftreten. Die Diagnose wird mit einem MRT von Gehirn und Hals gestellt; deshalb ist bei allen Patienten mit Chiari-Verdacht eine Bildgebung wichtig. In diesem Fall ist die definitive Behandlung eine Operation, die den hinteren Teil des Gehirns entlastet; nach dieser Operation nehmen die Nackenschmerzen bei vielen Patienten ab oder verschwinden. Nervenblockaden können eine vorübergehende Erleichterung verschaffen, die eigentliche Lösung ist jedoch eine auf die zugrunde liegende Ursache gerichtete Behandlung.
Q6.Kann die Okzipitalisneuralgie zusammen mit einer chronischen Migräne auftreten?
Ja, die Okzipitalisneuralgie und die chronische Migräne können häufig gemeinsam auftreten, und ihre Unterscheidung kann mitunter schwierig sein. Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe: Die Nackennerven und die Gesichtsnerven vereinigen sich im Hirnstamm in einem gemeinsamen Zentrum, weshalb die Reizung des einen den anderen auslösen kann. Zudem können sich mit fortdauernden Migräneattacken chronische Verspannungen der Nackenmuskeln entwickeln; diese können durch Einengung des Nackennervs die Okzipitalisneuralgie auslösen. Ein langanhaltender Schmerz kann mit der Zeit dazu führen, dass das Nervensystem empfindlicher gegenüber Schmerz wird; in diesem Fall verstärken sich beide Schmerzen. Bei der Unterscheidung stützen die Auslösung des Schmerzes bei Druck auf den Nackennerv und das Ansprechen auf eine Nervenblockade die Diagnose einer Okzipitalisneuralgie; bei der Migräne fehlen diese Befunde. In diesem Fall wird die Behandlung auf beide Probleme zugleich ausgerichtet: für die Migräne migränespezifische und vorbeugende Medikamente, für die Okzipitalisneuralgie Nervenblockaden und Nervenschmerzmittel. Auch das Verfahren der Nervenstimulation kann bei beiden Zuständen wirksam sein.

Kaynaklar

  1. Greenberg MS. Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023.
  2. Winn HR, ed. Youmans and Winn Neurological Surgery. 6th ed. Elsevier; 2011.
  3. Waldman SD. Atlas of Pain Management Injection Techniques. 4th ed. Philadelphia: Elsevier; 2017.
  4. Deer TR, et al., eds. Treatment of Chronic Pain by Interventional Approaches (American Academy of Pain Medicine Textbook). New York: Springer; 2015.

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Okzipitalisneuralgie (Nervenschmerz im Nacken und Hinterkopf) (ICD-10: M54.81) | Dr. Özgür Akşan