Hirnmetastasen

Häufigster Hirntumor bei Erwachsenen – Ausbreitung eines Krebses aus dem Körper ins Gehirn

H01 Themenleitfaden

Neuroonkologie: Hirntumoren

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1Überblick

Schnelle und verständliche Informationen für Patientinnen und Patienten

Was ist die Erkrankung?

Symptome

Kopfschmerzen – anhaltend, zunehmend, morgens möglicherweise schlimmer (das häufigste Anzeichen)
Schwäche in einem Körperteil, Sprechstörung oder Ausfall im Gesichtsfeld (variiert je nach Lage des Herdes)
Gedächtnisverlust, Konzentrationsschwierigkeiten, geistige Verwirrtheit oder Persönlichkeitsveränderungen
Krampfanfälle (epilepsieartige Verkrampfungen) – können manchmal das erste Anzeichen sein
Übelkeit und Erbrechen – besonders morgens
Gleichgewichtsstörung und taumelnder Gang (bei Herden im Kleinhirnbereich)
Sehstörungen – verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Ausfall im Gesichtsfeld
Sprechschwierigkeiten – Schwierigkeiten beim Wortfinden oder beim Verstehen des Gesagten, verwaschene Sprache
Übermäßige Schläfrigkeit, Schwierigkeiten beim Wecken, in fortgeschrittenen Situationen Bewusstseinstrübung
Schlaganfallartig plötzlich beginnende Beschwerden – bei einigen zu Blutungen neigenden Metastasentypen

Diagnoseverfahren

Behandlungsverfahren

Zielgerichtete Strahlentherapie (stereotaktische Radiochirurgie – Gamma Knife / CyberKnife) – tritt bei einer begrenzten Anzahl von Herden hervor
Operative Entfernung mit anschließender Bestrahlung der Höhle – bei großen, Beschwerden verursachenden Herden
Ganzhirnbestrahlung (mit modernen, die Gedächtnisregion schonenden Techniken) – bei einer großen Anzahl von Herden
Zielgerichtete medikamentöse Behandlungen – nach den genetischen Eigenschaften des Krebses ausgewählte, das Gehirn gut erreichende Medikamente
Immunbasierte Behandlungen (Immuntherapie) – besonders bei Melanom und Lungenkrebs
Unterstützende Behandlung – Kortison zur Verringerung der Schwellung und anfallsvorbeugende Medikamente

Häufig gestellte Fragen zu Hirnmetastasen

Q1.Was ist eine Hirnmetastase? Welche Krebsarten breiten sich am häufigsten ins Gehirn aus?
Eine Hirnmetastase entsteht, wenn Zellen eines Krebses an einer anderen Stelle des Körpers über das Blut das Gehirn erreichen und dort neue Herde bilden. Der Tumor geht nicht vom Gehirn aus, sondern von einem Krebs in einem anderen Organ. Sie sind der häufigste Tumor im Gehirn bei Erwachsenen. Die Krebsarten, die sich am häufigsten ins Gehirn ausbreiten, sind Lungen-, Brust- und Hautkrebs (Melanom); es folgen Nieren- und Dickdarmkrebs. Bei den meisten Personen zeigen sich mehrere Herde.
Q2.Wie ist der Verlauf bei einer Person mit einer Hirnmetastase?
Der Verlauf ist von Person zu Person sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab: dem Alter und Allgemeinzustand der betroffenen Person, der Art des eigentlichen Krebses, davon, ob eine Ausbreitung in andere Bereiche des Körpers vorliegt, und der Anzahl der Herde im Gehirn. Mit den heutigen zielgerichteten Medikamenten und immunbasierten Behandlungen hat sich die Überlebenszeit bei manchen Personen deutlich verlängert. Besonders bei Personen mit einer begrenzten Anzahl von Herden und einem unter Kontrolle stehenden eigentlichen Krebs können mit einer wirksamen Behandlung langfristige Ergebnisse erzielt werden. Daher wird der Behandlungsplan für jede Person einzeln erstellt.
Q3.Ist bei einer Hirnmetastase eine Operation oder eine Strahlentherapie besser?
Beide haben ihren Platz; die Wahl wird individuell getroffen. Die zielgerichtete Strahlentherapie (Gamma Knife / CyberKnife) tritt bei einer begrenzten Anzahl kleiner bis mittelgroßer oder tief gelegener Herde hervor; sie erfordert keine Operation, schont die geistigen Funktionen weitgehend und ermöglicht meist eine Entlassung am selben Tag. Eine Operation wird hingegen bevorzugt bei einem großen Herd, starkem Druck und starker Schwellung, wenn eine rasche Erleichterung erforderlich ist oder wenn für die Diagnose eine Gewebeprobe benötigt wird. In manchen Situationen kann der geeignete Weg eine Kombination beider sein: Der Herd wird operativ entfernt, anschließend wird die Höhle bestrahlt, um die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens zu verringern.
Q4.Wird die Ganzhirnbestrahlung (WBRT) noch eingesetzt? Welche Nebenwirkungen hat sie?
Auch wenn ihr Einsatz zurückgegangen ist, kann sie in bestimmten Situationen noch erforderlich sein: bei einer großen Anzahl von Herden, einer Ausbreitung in die Hirnhäute oder dem raschen Auftreten neuer Herde nach einer zielgerichteten Bestrahlung. Heute wird mit modernen, die Gedächtnisregion schonenden Techniken und unterstützenden Medikamenten versucht, die Nebenwirkungen zu verringern. In der frühen Phase können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Haarausfall, Ohrgeräusche und Übelkeit auftreten. In der späteren Phase kann es zu geistigen Auswirkungen wie Schwierigkeiten mit Gedächtnis und Aufmerksamkeit kommen. Daher wird bei einer begrenzten Anzahl von Herden statt einer Ganzhirnbestrahlung die zielgerichtete Bestrahlung bevorzugt.
Q5.Wirken zielgerichtete medikamentöse Behandlungen bei einer Hirnmetastase?
Ja; das Gehirn gut erreichende zielgerichtete Medikamente können bei einer Hirnmetastase recht wirksam sein und haben in diesem Bereich einen wichtigen Fortschritt gebracht. Diese Medikamente werden nach bestimmten genetischen Eigenschaften des eigentlichen Krebses ausgewählt; so gibt es beispielsweise für bestimmte Lungenkrebstypen, einige Melanom- und Brustkrebstypen geeignete zielgerichtete Medikamente. Diese Medikamente können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sind meist wirksamer, wenn sie zusammen mit einer zielgerichteten Bestrahlung oder einer Operation eingesetzt werden. Welches Medikament geeignet ist, wird durch genetische Tests an der aus dem Krebs entnommenen Probe bestimmt.
Q6.Ist eine immunbasierte Behandlung (Immuntherapie) bei einer Hirnmetastase wirksam?
Ja; Behandlungen, die das Immunsystem gegen Krebszellen stärken, können bei einer Hirnmetastase wirksam sein. Besonders bei Melanom und Lungenkrebs wurden deutliche Vorteile beobachtet; beim Melanom können mit einigen Kombinationen langanhaltende Ansprechraten möglich sein. Diese Behandlungen zeigen manchmal eine stärkere Wirkung, wenn sie zusammen mit einer zielgerichteten Strahlentherapie eingesetzt werden. Da immunbasierte Behandlungen eigene Nebenwirkungen haben können, wird dieser Verlauf engmaschig überwacht.
Q7.Wann sollte bei einer Person mit Lungen- oder Brustkrebs eine MRT des Gehirns durchgeführt werden?
Für jeden wird keine routinemäßige Untersuchung empfohlen; in bestimmten Situationen ist jedoch eine MRT des Gehirns erforderlich. Liegt ein neurologisches Anzeichen wie Kopfschmerzen, Krampfanfall, Schwäche oder eine geistige Veränderung vor, muss unbedingt eine durchgeführt werden. Außerdem kann bei einigen Krebstypen und -stadien mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung ins Gehirn auch ohne Beschwerden eine MRT zur Untersuchung empfohlen werden. Diese Entscheidung trifft das onkologische Team, das die Art und das Stadium des Krebses kennt. Ein frühes Erkennen der Ausbreitung kann die Behandlungsoptionen erweitern.
Q8.Was ist eine Ausbreitung in die Hirnhäute (karzinomatöse Meningitis)? Wie wird sie behandelt?
Eine Ausbreitung in die Hirnhäute ist die Ausbreitung von Krebszellen in die Gehirn und Rückenmark umhüllenden Häute und in die dortige Flüssigkeit. Zu den Beschwerden können Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Doppeltsehen, Gesichtslähmung, Hörverlust und Bewusstseinstrübung zählen. Zur Diagnose werden eine kontrastverstärkte MRT und die Untersuchung der aus dem Lendenbereich entnommenen Hirn-Rückenmark-Flüssigkeit eingesetzt; manchmal muss die Probe mehrmals wiederholt werden. In der Behandlung können direkt in die Hirn-Rückenmark-Flüssigkeit oder über die Vene gegebene medikamentöse Behandlungen, bei geeigneten Personen zielgerichtete Medikamente und eine Strahlentherapie der Beschwerden verursachenden Bereiche eingesetzt werden. Dies ist ein ernster Zustand und erfordert eine engmaschige Überwachung.
Q9.Es wurde eine Hirnmetastase festgestellt, ohne dass die Quelle des Krebses bekannt ist – was wird getan?
Bei manchen Personen ist bei der Feststellung einer Hirnmetastase zunächst unbekannt, wo sich der eigentliche Krebs befindet. In diesem Fall wird die Quelle Schritt für Schritt abgeklärt: Ganzkörper-PET-CT und detaillierte Computertomographie-Untersuchungen, bei Bedarf die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Herd im Gehirn und weiterführende Untersuchungen an dieser Probe (Tests, die den Zelltyp und die genetischen Eigenschaften bestimmen), außerdem gezielte Kontrollen wie Hautuntersuchung, Mammographie und Koloskopie. Am Ende dieser Abklärungen wird bei der großen Mehrheit der Betroffenen der Quellkrebs gefunden. Bis die Quelle gefunden ist, können auch eine auf den Herd gerichtete Behandlung (Bestrahlung oder Operation) und geeignete systemische Behandlungen geplant werden.
Q10.Wie wird die Lebensqualität bei Personen mit Hirnmetastasen erhalten?
Die Erhaltung der Lebensqualität gehört zu den wichtigsten Zielen der Behandlung. Dafür sind wichtig: die Wahl von Behandlungen, die die geistigen Funktionen schonen (wenn möglich die zielgerichtete Bestrahlung bevorzugen), die Kontrolle der Beschwerden (Kortison gegen die Schwellung, anfallsvorbeugende Medikamente gegen Krampfanfälle, geeignete Medikamente gegen Schmerzen und Übelkeit), Physiotherapie und Ergotherapie zur Unterstützung von Bewegung und Fähigkeiten des täglichen Lebens, seelische Unterstützung und Selbsthilfegruppen sowie bei Bedarf eine früh beginnende palliative (lindernde) Versorgung. Ein Teamansatz, bei dem Neurochirurgie, Strahlentherapie, medizinische Onkologie, Neurologie und Rehabilitation zusammenarbeiten, ist wichtig. Auch die Unterstützung der Familie und der pflegenden Angehörigen ist ein untrennbarer Bestandteil dieses Verlaufs.

Kaynaklar

  1. Greenberg MS. Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:910-920.
  2. Winn HR, ed. Metastatic Brain Tumors. In: Winn HR, ed. Youmans and Winn Neurological Surgery. 6th ed. Elsevier; 2011:1410-1422.
  3. Osborn AG, Hedlund GL, Salzman KL. Metastases and Paraneoplastic Syndromes. In: Osborn AG, Hedlund GL, Salzman KL. Osborn's Brain: Imaging, Pathology, and Anatomy. 2nd ed. Elsevier; 2018:842-846.
  4. Epidemiology of Brain Metastases. In: Brain Metastases: A Multidisciplinary Approach. Cham: Springer; 2018.
  5. Vogelbaum MA, Brown PD, Messersmith H, et al. Treatment for Brain Metastases: ASCO-SNO-ASTRO Guideline. J Clin Oncol. 2022:492-516.

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Hirnmetastasen (ICD-10: C79.31) | Dr. Özgür Akşan